Energie sparen – aber wirklich

Für Verbraucher gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Energie zu sparen. Kühlschränke mit Energieeffizienklasse A++, alternative Heizsysteme, sparsame Autos, Energiesparlampen – bei vielen Gegenständen des täglichen Gebrauchs ist eine einfache Kaufentscheidung, die scheinbar zu einem energiebewussten Lebensstil beiträgt.

Doch tragen diese neuen Technologien am Ende des Tages tatsächlich zu einer Energieersparnis bei? Zuerst einmal lautet die Antwort natürlich: Ja. Ein Kühlschrank mit Energieeffizienzklasse A++ verbraucht deutlich weniger Strom als ein älteres Modell mit Klasse D. Insofern spart der Verbraucher hier automatisch, denn ein Kühlschrank ist durchgehend in Betrieb. Anders sieht es jedoch bei Produkten aus, deren Nutzungszeiten abhängig von den individuellen Gewohnheiten des Besitzers sind, wie beispielsweise Autos. Hier liegt es ganz in der Hand des Nutzers, wie viel Energie verbraucht wird. Auch ein sparsames Auto braucht Benzin und es benötigt mehr davon, wenn es schneller oder weiter gefahren wird.

Um tatsächlich Energie zu sparen, ist es mit einem energieeffizientes Produkt also nicht getan – die Verantwortung liegt nach wie vor in der Hand des Verbrauchers. Hier tritt nicht selten der sogenannte ‚Rebound-Effekt‘ ein: In dem Bewusstsein, ein energieeffizientes Produkt erworben zu haben, wird das Produkt besonders gerne und häufig benutzt. Mit dem sparsamen Auto kann man gerne mal etwas schneller fahren, die moderne Heizung etwas höher aufdrehen, die Energiesparlampe im Flur einfach mal brennen lassen. Das gute Gewissen, ein sparsames Produkt zu nutzen (für das unter Umständen ja auch mehr Geld bezahlt wurde), dient als Legitimation für ein wenig Luxus. Das Ergebnis: Die Energiebilanz bleibt gleich, durch den höheren Konsum tritt keine Ersparnis ein.
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Der Rebound-Effekt ist aus zwei Perspektiven problematisch: Für den einzelnen Verbraucher bedeutet er, dass die Mehrinvestition, die in das effizientere Produkt getätigt wurde, nicht wieder zurück gewonnen wird. Aus politischer und gesellschaftlicher Sicht ist das Problem aber noch weitaus tragischer, denn hier ist das Ziel ganz klar eine Energieersparnis. Subventionen und Investitionen in energieeffiziente Technologien zeigen keine Wirkung, wenn Verbraucher mit erhöhtem Konsum reagieren. Was kann also getan werden, um dem Rebound-Effekt entgegen zu wirken? Aus politischer Sicht gibt es drei Möglichkeiten. Zum einen könnte der Rebound-Effekt in Forderungen, die an Verbraucher und Versorger gestellt werden, mit berücksichtigt werden. In Großbritannien wird dies zum Teil bereits so gehandhabt: Strom- und Gasanbieter müssen ihren CO2-Ausstoß je nach Marktanteil verringern (z.B. durch Gebäudesanierungen). In der dafür vorgeschriebenen Quote wird der Rebound-Effekt in einer Höhe von 15 Prozent angerechnet. In Deutschland existiert ein solches Vorgehen noch nicht. Eine weitere mögliche Maßnahme wäre das bewusste Anheben von Energiekosten – der Verbraucher bekäme so einen höheren Verbrauch deutlich zu spüren. Nachteil: Ein solches Vorgehen stößt bei den Verbrauchern sicher auf wenig Verständnis. Es ist unwahrscheinlich, dass die Politik derart unbeliebte Maßnahmen ergreift. Die dritte Möglichkeit besteht in der Aufklärung der Verbraucher. Schließlich erhoffen sich die meisten Käufer von energieeffizienten Produkten nicht nur ein gutes Gewissen. Häufig steht hinter dem Kauf eine ganz pragmatische Überlegung: Der höhere Anschaffungspreis wird durch die Energieersparnis ausgeglichen. Am Ende sollte Geld in der Tasche bleiben. Der Rebound-Effekt verhindert das – die wenigsten Verbraucher rechnen allerdings so genau nach. Um tatsächlich Energie zu sparen, reicht es also nicht, nur das effizientere Produkt zu kaufen. Gleichzeitig gilt es, den eigenen Verbrauch zu beobachten und kritisch zu hinterfragen. Das ist oft nicht einfach, denn viele Geräte werden nach Gefühl und Komfort eingesetzt. Eine simple Möglichkeit, den eigenen Stromverbrauch zu kontrollieren, bieten sogenannte Smart Meter, intelligente Zähler, die Energieverbrauch und Nutzungszeit von Geräten anzeigen. In Hinblick auf den Rebound-Effekt empfiehlt es sich, den Zähler schon vor einer geplanten Neuanschaffung an das alte Gerät anzuschließen – so lässt sich später genau sagen, wie groß die Einsparung durch das neue Gerät ist und ob sich das Nutzungsverhalten geändert hat.


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